Schwimmanstalt des Ersten Garderegiments zu Fuß
Schwimmanstalt des Ersten Garderegiment zu Fuß um 1900, Regimentsgeschichte.
Das Erste Garderegiment zu Fuß besaß als Besonderheit (sonst
verfügte nur noch das Leibgarde-Husaren-Regiment über eine solche Einrichtung in
Potsdam)
eine eigene Schwimmanstalt an der Havel.
Schwimmanstalt des Ersten Garderegiment zu Fuß um 1900, Archiv Hellenthal.
Bereits 1817 wurde mit dem Schwimmunterricht im Regiment
begonnen. Zunächst wurde hierfür eine "Garnfischerschute" in der Nähe der
Heiligen-Geist-Kirche auf dem rechten Havelufer genutzt. Unter der Regie des
Secondeleutnants Freiherr von Forstner wurde dann 1823 bis 1825 die große Schwimmanstalt
gebaut. Diese lag an der Ostseite der Altstadt in der Nähe der
Heiligen-Geist-Kirche, etwa 200m unterhalb des Abgangs des Stadtkanals von der
Havel. Sie wurde nach außen durch die an dieser Stelle noch vorhandene
historische Stadtmauer abgeschlossen und umfaßte insgesamt einen Uferraum von
95m Länge und 10m Breite. Ein 44m langer Bretterbau sprang 25m weit in die Havel
vor. Zu beiden Seiten des 1,5m breiten Hauptganges lagen die Schwimmbassins.
Bretterbuden dienten als Aufenthalts- und Umkleideräume. 24 Schwimmeister
erteilten Schwimmunterricht. Die Schwimmanstalt (wie auch die der Husaren) wurde
jeweils im Frühjahr aufgebaut
und mit Winterbeginn wieder abgerissen. Das Grundstück war von der Potsdamer
Fischer-Innung gegen einen jährlichen "Canon" gepachtet.
Besuch des Kronprinzen Friedrich Wilhelm in der Schwimmanstalt, Foto aus dem Jahre 1877, Archiv Kolfenbach.
Besonders Kronprinz
Friedrich Wilhelm stattete der Schwimmanstalt häufig Besuche ab, er war
jedes Jahr einer der ersten Besucher der Einrichtung. Sein letzter Besuch fiel
auf den 28.08.1886. Friedrich Wilhelm hatte auf der Schwimmanstalt eine
besondere, sehr einfach gehaltene Kabine. Diese wurde, besonders an den
Gedenktagen von Königgrätz und Wörth, mit Schilf, Seerosen, gelben Mummeln und
Vergißmeinicht ausgeschmückt. Auch im Todesjahr 1888 des inzwischen Deutschen
Kaisers Friedrich III. wollten "die Schwimmeister ihrem allergnädigsten
Herrn, in den Tagen schwerster Prüfung, gern einen stillen Beweis ihren treuen
und herzlichen Gedenkens geben." (aus der Regimentsgeschichte). So ließ
Secondeleutnant von Luck, der damalige Offizier der Anstalt, die eben erblühten
weißen Wasserrosen sammeln und in einen Korb legen, dessen Henkel mit
Vergißmeinicht umwunden war. Spät am Abend des 14.06.1888 wurde dieser Korb an
das Sterbebett des Kaisers gebracht, welcher beim Anblick der Blumen gelächelt
haben soll. Am 15.06.1888 starb Kaiser Friedrich III. an Kehlkopfkrebs, der Korb
mit den Wasserrosen noch immer an seinem Sterbebett. Seine Kabine benutzen nach
dem Tode des Kaisers noch einige Jahre die Kaiserlichen und Königlichen Prinzen,
bis sie schließlich abgerissen wurde.
Besuch des Kronprinzen Friedrich Wilhelm in der Schwimmanstalt, Regimentsgeschichte.
Bis 1914 haben in der Schwimmanstalt tausende Männer Schwimmen gelernt, der Ehrgeiz der Schwimmeister war es, möglichst viele Leute als Freischwimmer auszubilden. Das Kommando über die Schwimmanstalt war bei den Offizieren sehr beliebt. Von der Eröffnung der Anstalt im Mai bis zu den Herbstübungen traten die Schwimmeister nur selten zum Dienst bei der Kompagnie an. Während der Übungszeit auf dem Truppenübungsplatz Döberitz wurde das Personal der Schwimmanstalt stark verringert, da in dieser Zeit nur eingezogene Landwehrkompagnien die Anstalt benutzten.
Außer der Schwimmausbildung der Kompagnien bestand der
Dienst der Schwimmeister in Schwimmen, Springen und Tauchen. Kurz vor der
Schließung der Anstalt im Herbst stand eine Besichtigung der Schwimmeister an,
die zwar dienstlich war, aber mehr den Charakter eines
Festes hatte. Es folgte ein "Parademarsch der Schwimmeister unter Führung des
Offiziers im Wasser..." (aus der Regimentsgeschichte).
Schwimmunterricht in der Havel um 1900, Regimentsgeschichte.
Seit 1908 oblag laut Regimentsbefehl die Bewachung der
Schwimmanstalt mit ihren Anlagen, Geräten und dem
Pionierübungsmaterial, welches
dort lagerte und für die alljährlichen Pionierarbeiten, Brückenbau etc. benutzt
wurde, für die Nacht einer privaten Wach- und Schließgesellschaft. Dies war
nötig geworden, da der Posten aufgrund der Einschränkung des Wachdienstes nicht
mehr gestellt werden konnte.
Schwimmanstalt des Ersten Garderegiment zu Fuß um 1900, Archiv Seitenautor.
Auf der Wasserseite der historischen Stadtmauer sind von
den Schwimmeistern nach verschiedensten Motiven wie Babelsberg, Flavoturm,
Neptun mit Zitronen, Gardestern usw. Tafeln gemalt worden, auf denen die
Teilnehmer jedes Jahrganges vermerkt wurden. Oben stand der Name des leitenden
Offiziers, darunter die der Schwimmeister, von jedem Bataillon ein
Unteroffizier, von jeder Kompagnie zwei Mann, der Verwaltungsunteroffizier, der
Kantinenunteroffizier mit seinen Gehilfen, der Bursche des Offiziers und der
"Doktor" genannte Sanitätsgefreite. Auf der Tafel des Jahres 1900 stand z. B.
"Hurra, das 1. Garde-Regiment zu Fuß 1900! Die ersten Schwimmeister im neuen Jahrhundert."
Die Erinnerungstafeln an der historischen Stadtmauer mit den Namen der Schwimmlehrgangsteilnehmer, historische Aufnahme, Bauer/Knitter/Ruppert.
Im Laufe der Jahre hatte der Schiffs- und Personendampferverkehr vor der Schwimmanstalt immer mehr zugenommen. Die Polizei gab daher mehrfach einschränkende Bestimmungen aus, z. B. daß das "Floß" der Schwimmanstalt mit einer ca. 1m hohen Verkleidung aus Segeltuch umgeben werden müsse, damit die Fahrgäste der Dampfer nicht die "nackten Gestalten" sähen. Öfters sind wegen dieser Einschränkungen, des zunehmenden Schiffsverkehrs, der geringen Sauberkeit des Wassers, der weiten Entfernung von der Kaserne und des Rückmarsches durch die heiße Burgstraße, Pläne zur Verlegung der Schwimmanstalt entworfen worden. Als 1913 der von Rohdichsche Legatenfonds das Hoffbauersche Grundstück direkt neben der Kaserne erwerben konnte, ging man dieses Projekt verstärkt an. Zu diesem Grundstück gehörte nämlich auch ein Stück Havelufer auf der Südseite des Eisenbahndammes, welches durch eine Unterführung mit dem Hauptgrundstück verbunden war. Bei Kriegsausbruch waren die Vorarbeiten, wie Vermessen und Erstellung der Pläne im vollen Gange. Durch den 1. Weltkrieg kamen diese Arbeiten nicht mehr zum Abschluß.
